hr-iNFO Büchercheck: Am Himmel von Anna-Elisabeth Mayer


Am Himmel

“Am Himmel” heißt der neue Roman von Anna-Elisabeth Mayer. Für ihre ersten beiden wurde die Schriftstellerin aus Österreich mehrfach ausgezeichnet. Und auch dieser ist wieder preisverdächtig. hr-iNFO-Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Wer – des Titels wegen – einen romantischen Roman erwartet, könnte kurz enttäuscht sein. Denn „Am Himmel“ ist nichts weniger als romantisch! Die Geschichte beginnt mit einem Mord: Der Jäger und Förster Eduard Hüttler erschießt aus nächster Nähe seinen Herrn, den Baron von Sothen. Das ist eine sehr dramatische Ausgangssituation und der Dreh- und Angelpunkt der Romanhandlung. Von hier aus wird in zwei Richtungen erzählt – in Sothens betrügerische Vergangenheit und in die Zukunft: Wie Hüttler sich der Polizei stellt, ins Gefängnis kommt und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wird. Noch spannender allerdings ist die Vorgeschichte: Von Sothen ist ein eiskalter Gutsherr, der seine Angestellten und vor allem den armen Hüttler permanent schikaniert. Bis der aus lauter Verzweiflung und Ausweglosigkeit seinen Herrn erschießt.

Wie ist es geschrieben?
Sehr beeindruckend und mitreißend! In den erzählenden Passagen knapp, sachlich, oft reduziert auf Sätze, die gar nicht ganz vollständig sind, die eilig weiterziehen und einen mitreißen. Alles Überflüssige wird weggelassen, und das, was stehen bleibt, ist oft ungewöhnlich konstruiert. Manche Sätze wirken wie Bühnenanweisungen, andere wie ein Peitschenknall. In manchen Nebensätzen werden ganze Schicksale angedeutet. Da bleibt man an vielen Sätzen, Formulierungen oder Andeutungen hängen. Liest sie noch mal und ist verwundert über so viel Kreativität und Wucht.

„Sothen stolperte in die Kanzlei zurück. Eduard folgte mit dem Gewehr. Sothen stürzte durch das Vorzimmer, sein Herz schlug wie wild. „Ins Büro, ins Büro“, er warf die Tür zu, es schepperte. Durch die Milchglasscheibe Sothens Umriss. Eduard drückte ab. Dann ging er in den Hof, lehnte sich an die Mauer beim Türeingang, sein Herz wie wild.“

Wie gefällt es?
Ich bin total begeistert! Ein ernster Roman, erzählt von einer ganz eigenen, eindringlichen Stimme. Anna-Elisabeth Mayer erzählt distanziert und präzise, und ohne jeden Kommentar. In den vielen Dialogen entlarven sich die Personen auf ganz subtile Art und Weise selbst. Aber – und das ist mir jetzt sehr wichtig – das Buch verfällt keinen Augenblick in Trübsinnigkeit. Im Gegenteil: Ab und zu, sehr dosiert, blitzt ein absurder Witz auf. Da entsteht durch Doppeldeutigkeiten ein skurriler Humor. „Am Himmel“ ist auch ein spöttisches Buch, schon der ironische Titel deutet das ja an. Denn das Anwesen mit dem Namen „Am Himmel“ ist für fast alle Beteiligten die reine Hölle. Ein großartiger Roman!

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