Die Moortochter von Karen Dionne


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Helena Pelletier ist anders aufgewachsen als andere Menschen. Fernab von der Gesellschaft, als Gefangene eines Psychopathen. Sie selbst hat das jedoch nie so wahrgenommen, denn sie lebte viele Jahre lang scheinbar glücklich mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einer Blockhütte mitten im Moor und erfreute sich der Natur beim Jagen, Angeln und dem Lesen von Fährten.

All diese Fähigkeiten hat ihr Vater ihr beigebracht, den sie als Helden vergöttert und bewundert. In Wahrheit ist dieser jedoch ein gefährlicher Geisteskranker, der Helenas Mutter entführt hat und sie seit Jahren gefangen hält. Als Helena sich dessen bewusst wird, gelingt es ihr, mit ihrer Mutter zu fliehen und ihren Vater hinter Gitter zu bringen. Jahre später hat es Helena geschafft, sich ein neues Leben aufzubauen und ein halbwegs normaler Teil der Gesellschaft zu sein; sie hat eine Familie mit zwei Kindern und einen Job gefunden. Als es ihrem Vater jedoch gelingt, aus dem Hochsicherheitsgefängnis auszubrechen, steht genau das auf dem Spiel. Denn ihr Vater kommt zurück, um sich an ihr zu rächen…

Bei diesem Psychothriller handelt es keineswegs um eine klassische Entführungsstory. Durch den Fokus auf die Ich-Erzählerin Helena bekommt man eine ganz neue Perspektive der Entführung aufgezeigt. Denn Helena sieht sich in den ersten Jahren ihres Lebens keinesfalls als Opfer, sie ist einfach zufrieden mit dem was sie kennt – wie jedes andere Kind auch. Problematisch ist auch, dass ihr Vater ihr Vorbild und großer Held ist und sie so nie auf die Idee kommt, etwas verändern zu wollen, geschweige denn zu fliehen. Als sie jedoch die tatsächlichen Umstände – durch die Aneinanderreihung zahlreicher – versteht und mit ihrer Mutter flieht, beginnt sie ein neues und ihr komplett fremdes Leben. In der neuen Gesellschaft und der damit verbundenen Kultur, hat sie anfänglich viele Schwierigkeiten. Die unbeholfenen und lustigen Schilderungen dieser Tritte ins Fettnäpfchen lassen schnell Sympathie mit Helena aufkommen und generell ist sie eine starke Protagonistin. Auf Grund ihrer hervorragenden Fähigkeiten im Jagen und ihrem Wissen über die Natur, kam mir oft der Vergleich mit Katniss Everdeen in den Sinn, welche ja bekanntlich die Protagonistin des Weltbestsellers „Die Tribute von Panem“ ist. Mit der Moorlandschaft in Michigan hat die Autorin Karen Dionne auch die perfekte Kulisse für den Verlauf des Thrillers gefunden. Allein die Beschreibung der Umgebung erzeugt ein starkes Bild und viel Spannung. Diese Spannung istzwar  eher unterschwellig, aber immer allgegenwärtig.

Zusammenfassend ist Dionne mit „Die Moortochter“ ein intensives Leseerlebnis gelungen, das eine Entführung aus anderer Perspektive erzählt und durch grandiose Kulisse und beeindruckender Protagonistin eine starke Atmosphäre während des Lesens schafft. 9 von 10 Punkten !

 

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