Die Stunden von Michael Cunningham


Die Stunden

Der Roman „Die Stunden“ von Michael Cunningham zeichnet einen Tag im Leben dreier unterschiedlicher Frauen auf.
Da wäre zum einen Virginia Woolf, die 1929, gerade von einem psychischen Krankheitsschub genesen, im ländlichen Richmond lebt und dort beginnt, ihren berühmten Roman „Mrs Dalloway“ zu schreiben.
Da wäre Laura Brown, Hausfrau, Ehefrau und Mutter in einem amerikanischen Vorort der 50er Jahre, die versucht der Tristesse ihres Alltags zu entkommen, indem sie sich in die Geschichte von Mrs Dalloway flüchtet.
Clarissa Vaughan, die dritte, lebt im New York der 90er Jahren. Sie teilt nicht nur den Vornamen mit der berühmten Romanfigur, sie wird von ihrem langjährigen Freund Richard auch seit jeher Mrs Dalloway gerufen und wie diese beginnt sie den Tag damit, Blumen für das Fest am Abend zu kaufen.

In einer Art Vexierspiel spiegeln sich die drei Frauenfiguren fortwährend ineinander. Es wiederholen sich kleine Details in den unterschiedlichen Jahrzehnten, Gedanken scheinen dieselben zu sein oder doch ähnlichen Ursprungs. Kleine Zeichen tauchen hie wie dort auf, 1950 wird eine Geburtstagstorte mit gelben Rosen verziert, während der Neffe von Virginia Woolf 20 Jahre zuvor einer toten Amsel ein Totenbett richtet, das er mit gelben Rosen schmückt. In dieser Art gibt es viele kleine Hinweise, es ist fast wie bei einer Schnitzeljagd, bei der man die verschiedenen Verbindungen ausfindig machen will.
Nicht zuletzt sollte Virginia Woolfs Roman „Mrs Dalloway“ ursprünglich „The Hours“ heißen. Fein ausgedacht!

Dieses kunstvolle Gewebe ist leicht und voller Anmut, es schillert, betört, es funkelt wie ein Kleinod, jeder Satz ist ein Juwel. Ein solches Buch wärmt das Herz und die Seele, und zuweilen schafft es vielleicht sogar das Undenkbare: Man mag sich gerne mit dem eigenen Mittelmaß versöhnen. Für dieses besondere Werk hat Michael Cunningham den Pulitzerpreis bekommen.

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