hr-iNFO Büchercheck: Acht Berge von Paolo Cognetti


Acht Berge Cover

Der Premio Strega ist der renommierteste Literaturpreis Italiens. Im vergangenen Jahr ging er an Paolo Cognetti. Der wird dieses Jahr 40, hat bereits als Dokumentarfilmer gearbeitet und mehrere Erzählungen und Romane geschrieben. Den Preis bekam er für seinen Roman „Acht Berge“. hr-iNFO-Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Der Roman hat zwei Themen, die parallel laufen. Zum einen die tiefe Freundschaft zwischen dem Stadtkind und dem Bergjungen. Wie sie zusammenfinden, voneinander lernen, in der Liebe zur Natur der Berge ihren gemeinsamen Nenner finden. Aber auch, wie sie ihre Naturbegeisterung in ganz unterschiedliche Berufe und Lebenswelten führt. Pietro bereist als Dokumentarfilmer die Welt und findet in der Bergwelt Nepals einen Fixpunkt. Für ihn sind die Berge eher ein Ort der Meditation, der Selbstfindung. Bruno wird Bergbauer und produziert Käse. Welcher Lebensweg ist der bessere zur eigenen Identität? Raus gehen in die Welt, Erkenntnisse an vielen Orten sammeln? Oder in der Heimat bleiben und dort die Herausforderung suchen? Cognetti präsentiert dafür ein Mandala, das Pietro von einem Bergführer in Nepal erfährt.

„Für uns ist der Mittelpunkt der Welt ein sehr hoher Berg, der Sumeru, der wiederum von acht Bergen und acht Meeren umgeben ist. Das ist unsere Vorstellung von der Welt.“
„Bei uns heißt es immer: Wer hat mehr gelernt? Derjenige, der alle acht Berge gesehen, oder derjenige, der den Gipfel des Sumeru bestiegen hat?“

Einige Jahre sehen sich Pietro und Bruno nicht. Erst der Tod von Pietros Vater führt sie wieder zusammen. Pietro erbt eine ruinöse Berghütte, die er mit Bruno wieder aufbaut. Erst da wird ihnen bewusst, wie tief ihre Freundschaft ist. Das zweite Thema des Romans ist Pietros Beziehung zu seinem Vater, ein schwieriges Verhältnis. Der Vater hat als Chemiker einen sozialen Aufstieg aus der bäuerlichen Welt geschafft, ist aber
gespalten, fühlt sich nur in den Bergen bei sich. Die Gipfelstürmerei ist für ihn eine Art Leistungssport, eine Reinigung von der Stadtexistenz. Er schleppt Pietro mit auf die Gipfel, aber seine Getriebenheit entfremdet ihn von seinem Sohn. Das Erbe ist eine Art Versöhnung.

Wie ist es geschrieben?
Cognetti schreibt über die Sehnsucht nach Heimat, nach Authentizität. Er schreibt über die Faszination der Berge, über die Magie, die sie auf die Menschen ausüben. Aber auch über ihre Gefahren und ihre Gefährdung durch den Menschen. Er macht das in einer leisen, direkten Sprache. Stimmungen und Gefühle entstehen aus realistischen Bildern, aus Beobachtungen, Ereignissen und Handlungen. Das Erzählen ist reduziert auf das Wesentliche, wie die karge Alpenwelt. Daraus kommt die Kraft der Sprache.

Wie gefällt es?
Geschichten über Natur oder Heimat geraten schnell kitschig. Cognettis „Acht Berge“ ist davor gefeit. Sein Realismus schärft den Blick auf zeitlose Werte, die konstituierend sind für das Zusammenleben von Menschen und ihren Umgang mit ihrer Umwelt. Ich finde: ein wichtiges Buch für unsere wirre Zeit.

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