hr-iNFO-Büchercheck: Alles über Beziehungen von Doris Knecht


Alles über Beziehungen Doris Knecht

„Alles über Beziehungen“, dieser Titel klingt nach einem Sachbuch oder nach einem Beziehungs-Ratgeber. Das ist möglicherweise so beabsichtigt, aber führt uns auf eine völlig falsche Fährte: „Alles über Beziehungen“ ist der vierte Roman von Doris Knecht. hr-iNFO-Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Viktor heißt der Protagonist, er ist Regisseur und wird demnächst 50. Ein relativ unscheinbarer Durchschnittstyp voller Minderwertigkeitskomplexe, die er mit Arroganz kompensiert. Viktor ist umgeben von einer Traube von Frauen: eine Ehefrau und zwei Ex-Frauen. Fünf Töchter aus drei Ehen. Schauspielerinnen, Mitarbeiterinnen, Frauen, die ihn bewundern oder vielleicht auch nur ausnutzen. Weil Viktor sich oft so schwach und klein fühlt, lässt er sich von ein paar Geliebten trösten. Und damit er sich nicht allzu mies vorkommt, stilisiert er sich vom Täter zum Opfer: Ein Therapeut bescheinigt ihm auf dringende Anfrage hin eine Sexsucht.

„Es ging Viktor nun mal besser, wenn Viktor auch noch mit anderen Frauen schlief, weil Viktor, das musste er sich selbst mitunter eingestehen, ein bisschen ein Narzisst war, weil er sich und seine leider nicht offensichtliche, aber wenig bestreitbare Groß- und Einzigartigkeit gerne gespiegelt sah in den Augen von Frauen, bei denen er sich noch nicht abgenutzt hatte. .. Und weil er eben hypersexuell war.“

Wie ist es geschrieben?
Witzig und sehr pointiert! Weil Doris Knecht eine intelligente Erzählerin ist, die nicht oder kaum übertreibt nicht, sondern dosiert. Sie führt Viktors Sexsucht z.B. ad absurdum, indem sie diese fast ernst zu nehmen scheint und nur durch die eine oder andere flapsige Bemerkung entlarvt. Dazu kommen eine Menge komischer Dialoge und Analysen von komplizierten emotionalen Gemengelagen. Viktor will sich z.B. an keine Geliebte binden, trennt sich sofort, wenn Ansprüche angemeldet werden. Ist aber umgekehrt total beleidigt, wenn eine Frau Schluss mit ihm macht. Er selbst ist einfach zu schwach – oder besser: zu kindlich-genusssüchtig – um klar Schiff zu machen.

Wie gefällt es?
Ich habe mich bestens amüsiert. Doris Knecht schreibt scharfsinnig, scharfsichtig, spannend und schlau. Wobei die Komik auch gebrochen wird, weil es einen ernsten Erzählfaden gibt. Magda nämlich, Viktors Frau, erfährt ja, dass er sie seit Jahren permanent betrügt. Für Magda stürzt in diesem Moment ihr ganzes Leben ein. Aber sie wächst über sich hinaus, während Viktor in seiner Egozentrik stecken bleibt. Ein bisschen böse ist dieser Roman, und sehr unterhaltend. Nicht nur für Frauen!

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