hr-iNFO Büchercheck: Alles über Heather von Matthew Weiner


Matthew Weiner

Matthew Weiner ist einer der bekanntesten amerikanischen Drehbuchautoren. Er hat die Serie „Mad Men“ erfunden und damit sieben Staffeln lang international Erfolg gehabt. Jetzt hat der 52-jährigen Weiner seinen ersten Roman veröffentlicht. hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
In diesem Roman dreht sich tatsächlich alles um Heather – die Tochter von Mark und Karen Breakstone, zwei relativ wohlhabende New Yorker, die sich spät in ihren Vierzigern kennenlernen, heiraten, und dann ein Kind bekommen, eben diese Heather, ein perfektes, wunderschönes Mädchen, das alle Welt verzaubert. Das erzeugt erste Spannungen, als jedes Elternteil auf seine Weise Heather als Erfüllung ihrer je eigenen Existenz beansprucht; es führt zu Katastrophen, als die Bahnen dieser New Yorker upper-middleclass-Welt von einem Skinhead aus New Jersey gekreuzt werden. Er heißt Bobby, ist bei seiner drogensüchtigen Mutter aufgewachsen, hat wegen versuchter Vergewaltigung im Gefängnis gesessen und erblickt eines Tages, als er für eine Baufirma in Manhattan arbeitet Heather – es ist dieser eine Blick, der gleichzeitig von Heathers Vater registriert wird, der eine Spirale aus Angst und Aggression auslöst, die mindestens eine der beteiligten Personen in den Abgrund reißt – welche, wird natürlich nicht verraten.

Wie ist es geschrieben?
Matthew Weiner erzählt dieses Psychodrama mit minimalistischen aber hochwirksamen Mitteln: Er verschränkt von vornherein die Lebensgeschichten seiner Hauptfiguren – des New Yorker Ehepaars und des Unterschichtenrowdys aus New Jersey. Die Erzählperspektive kann dabei innerhalb eines Absatzes wechseln, aber immer wird aus der Sichtweise einer der Figuren erzählt – wobei wir dann aber merken, dass diese Figuren sich selbst nicht ganz sicher sind, was sie wahrnehmen, was sie denken, dass sie zum Teil widersprüchliche Gedanken haben, dass hinter den Gedanken etwas lauert, das sie selbst vielleicht gar nicht wissen – all das sorgt für eine nervöse Spannung, eine Spannung, die immer Gefahr läuft, sich jederzeit gewaltsam zu entladen:

„Mark wünschte sich, es wäre bloß sexuelles Verlangen nach seiner Tochter, was er da gesehen hatte, aber gleich darauf wäre er kurz vor einer Bank zusammengeklappt, und er rang nach Luft, da sein Körper begriff, wofür sein Verstand länger brauchte: Der Blick der Arbeiters war so brutal, so gierig gewesen, dass Mark davor geflüchtet war.“

Wie gefällt es?
Matthew Weiner kann einfach sehr, sehr gut erzählen. Er kann mit einfachen, aber präzisen Sätzen Situationen erzeugen, unter deren scheinbar ruhiger Oberfläche ein Abgrund lauert. Das zu lesen, ist spannend, nervenaufreibend und trotzdem großer Spaß. Dieser Roman ist scharfsinnig, im Hinblick auf die inneren Widersprüche seiner Figuren, und unerbittlich, wenn es um die logischen Konsequenzen daraus geht. „Alles über Heather“ ist ein kleines, gemeines Meisterwerk.

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