hr-iNFO Büchercheck: Am Ende der Reise von Edward Docx


Am Ende der Reise Cover

Der britische Autor Edward Docx ist Journalist und Kritiker und hat bisher vier Romane veröffentlicht. Sein erster, „Der Kalligraph“, ist auf Deutsch erschienen. Dieser Roman hat Lust gemacht auf mehr Bücher von Edward Docx, und so ist in diesem Herbst Edward sein jüngster Roman auch gleich auf Deutsch erschienen. Der Titel: „Am Ende der Reise“.
hr-iNFO-Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
„Am Ende der Reise“ ist ein Reiseroman. Aber zugleich auch ein Familienroman, denn diese Reise ist eine besondere: Louis’ Vater hat ALS und fährt mit seinem Sohn im schepprigen Familien-VW-Bus von London nach Zürich, um dort mit Hilfe der Organisation Dignitas einen begleiteten Suizid zu begehen. Unterwegs steigen noch Louis’ ältere Zwillingsbrüder zu, und im Laufe der folgenden Tage erleben die vier Männer einige kleiner Abenteuer, die sie zusammenschweißen. Und sie erfahren jede Menge intensiver Momente mit den anderen und sich selbst.

Wie ist es geschrieben?
Man könnte denken, das sei ein trauriger oder dunkler Roman. Aber das Gegenteil ist der Fall: „Am Ende der Reise“ funkelt nur so vor Lichtblicken! Edward Docx schreibt flüssig, farbig, witzig, sehr pointiert. Fast alles Traurige oder Pathetische bricht er ironisch auf. Es gibt ernste Szenen, was aber überwiegt, sind die witzigen. Die komischen Erzählungen und Situationen, die mit einem bitteren Familienhumor gespickten Erinnerungen. Und vor allem die absurden und bis zum Zynischen reichenden Dialoge unter den Brüdern.

„Was ist mit dir?“ frage ich. „Mit wem bist du zusammen?“ „Mit jedem. Mit allem. Mit niemandem.“ „Wie fühlt sich das an?“ „In geschlechtlicher Hinsicht sehr befriedigend. In intellektueller Hinsicht erfüllend. In spiritueller Hinsicht einsam.“ „Vielleicht bist du einfach ein frustrierter Monogamist.“ „Das hab ich auch schon ausprobiert. Fühlt sich an wie Sterben … Dad, wie fühlt sich Sterben an?“

Wie gefällt es?
Es wird sehr viel geredet in diesem Roman – was sollen die Männer sonst auch tun auf ihrer Fahrt? At his best ist Edward Docx in den Dialogen. Die sind schlagfertig, scharfsinnig, spitzfindig, komisch. Oft vieldeutig, manchmal aggressiv, dann wieder sehr behutsam. Da geht es um alles, um Leben und Tod, Liebe und Glück, Zufriedenheit und Identität. Mir kommt Edward Docx’ Roman vor wie eine an langen Seilen hin und her schwingende Hängebrücke. Man blickt in den Abgrund – aber die Heiterkeit der Sprache und der spielerische Umgang mit den großen Themen tragen uns über diesen Abgrund hinweg.

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