hr-iNFO Büchercheck: Arminuta von Donatella di Pietrantonio


Donatella di Pietrantonio

Vor zwei Jahren hat die italienische Autorin Donatella di Pietrantonio mit einem Roman über die Opfer eines Erdbebens in den Abruzzen viel Beachtung gefunden. Jetzt ist ein neuer Roman von ihr auf Deutsch erschienen. Wieder spielt er in den Abruzzen, und wieder geht es um eine Erschütterung. Diesmal nicht der Erde, sondern im Leben eines 13jährigen Mädchens. hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Arminuta will wissen, warum ihr Leben sich so abrupt ändern musste. Sie glaubt, ihre Mutter sei krank geworden und habe sie deswegen zurück zu einer anderen Mutter bringen müssen. Alles ist anders in der neuen Familie. Die Verhältnisse sind prekär, die Eltern überfordert und abweisend, die Geschwister chaotisch. Armut, Verwahrlosung, Perspektivlosigkeit prägen diese Familie, auch Gewalt. Ein wenig Halt geben nur der große Bruder und die kleine Schwester, die sie über alles liebt. Aber es bleibt das Gefühl der Mutterlosigkeit, der Orientierungslosigkeit, des Verlorenseins.

„Es gab keinen Grund mehr, auf der Welt zu sein. Leise wiederholte ich hundertmal das Wort Mama, bis es keinen Sinn mehr hatte und nur noch Lippengymnastik war. Mit zwei lebenden Müttern wurde ich zum Waisenkind. Die eine hatte mich noch mit ihrer Milch auf der Zunge weggegeben, die andere hatte mich mit dreizehn zurückgebracht. Ich war die Tochter von Trennungen, falschen oder verschwiegenen Verwandten, Entfernungen. Ich wusste nicht mehr, woher ich stammte. Im Grunde genommen weiß ich es bis heute nicht.“
Die Rettung kommt von außen. Eine Lehrerin erkennt die Begabung und Intelligenz des Mädchens und sorgt dafür, dass Arminuta in die Stadt umziehen und dort aufs Gymnasium gehen kann. Dort entschlüsselt sie dann auch, warum ihr all das widerfahren ist und kann ihr Leben in die Hand nehmen.

Wie ist es geschrieben?
Die Autorin lässt Arminuta ihre Geschichte als Erwachsene aus der Rückschau erzählen. Die Handlung verläuft chronologisch, der Ton ist ruhig bis lakonisch, die Sprache einfach und direkt. Darin liegt die Kraft des Romans. Die Beziehungen und Gefühlslagen sind sehr eindrücklich, weil sie sensibel und anschaulich beschrieben werden. Das ist manchmal so direkt, als stünde man beim Lesen in der Szene daneben.

Wie gefällt es?
Donatella di Pietrantonio erzählt eine harte Geschichte aus einer für die meisten vermutlich sehr exotischen Welt. Ein Bergdorf in den Abruzzen in den 70er Jahren, das ist schon ziemlich weit weg. Aber durch ihre Erzählweise und ihre feinsinnige Sprache ist es ihr bei mir gelungen, Nähe herzustellen zu ihrer Protagonistin und deren Schicksal. Einmal drin, wollte ich nicht mehr raus aus dem Buch. Und das Wissen, dass es solche Schicksale tatsächlich gegeben hat, sorgt für nachhaltiges Nachempfinden.

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