hr-iNFO Büchercheck: “Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt” von Bodo Kirchhoff


Betreff Einladung zu einer Kreuzfahrt

Bodo Kirchhoff, der Frankfurter Schriftsteller, der im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis bekam, hat sich nach diesem Erfolg nicht etwa auf eine Kreuzfahrt begeben, sondern ein Buch über das Thema geschrieben. Es heißt: „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt.“ Und tatsächlich besteht das Buch aus der E-Mail eines Schriftstellers an eine Reederei, die ihn für eine Kreuzfahrt durch die Karibik unter Vertrag nehmen will. Mehr darüber von hr-iNFO-Bücherchecker Frank Statzner.

Worum geht es?
Das Angebot klingt verlockend. Rundfahrt durch die Karibik mit Start und Ziel in Havanna. Freie Kost und Logis, Außenkabine mit Balkon. Mit Begleitung. Aber die Reederei stellt Bedingungen. Natürlich soll der Schriftsteller abends aus seinem Werk vorlesen. Eine Zusammenfassung der betreffenden Inhalte möchte der Veranstalter vorher sehen und prüfen können. Denn: die Gäste sollen sich ja wohl fühlen können. Der Autor soll ihnen freundlich zugeneigt sein. Liebschaften mit den Passagieren sind allerdings untersagt. Der Autor setzt sich an den PC und schreibt eine 120 Seiten lange E-Mail. Er wägt ab, formuliert seine Bedenken, die Reize des Angebots kommen aber auch immer wieder hervor. Nicht zuletzt sein Interesse an seiner Ansprechpartnerin beim Veranstalter. Kirchhoff lässt Kulturen aufeinander klatschen. Vom Kreuzfahrtpublikum hält sein Protagonist nichts.

“Nehmen wir an, vier bis fünf von einem langen Tag auf dem Sonnendreck frisch Gebräunte säßen in leichter Bekleidung, um möglichst viel von ihrer Tagesleistung zu zeigen, in der ersten Reihe und müssten sich anhören, wie mein Romanheld zu der am Flughafen aufgegabelten Frau, als sie sich später in einem Hotelzimmer auszieht, sagt, dass mit jeder Hülle auch ein Stück Schönheit fällt, alles Schöne still zu Bruch geht. Müsste dann das weibliche Publikum – Männer besuchen nur unter dem Druck ihrer Frauen eine Lesung – nicht denken, dass ihr ganzer Karibiktag vergebens war und das Sonnendeck als einen Ort der Zerstörung sehen?”

Wie ist es geschrieben?
Und wie muss es erst sein, wenn Tätowierte ihn in den Whirl-Pool einladen? Er soll ja freundlich und zugewandt sein? Er, der doch eher der Freund eines gepflegten Whiskys am Kaminfeuer ist und die Kreuzfahrtschiffe am liebsten zur Sammelstation und Unterkunft von Flüchtlingen umfunktionieren würde. Das wirkt ein wenig klischeehaft, aber indem er sich an seinem Bild der Gäste und an den Auflagen der Reederei abarbeitet, hält er sich selbst einen Spiegel vor. Elitär bis überheblich, süffisant, boshaft, aber auch narzistisch und larmoyant. Dadurch entsteht Spannung, auch für die Story. Wie wird er sich am Ende entscheiden?

Wie gefällt es?
Die Form der E-Mail erfordert einen Monolog. Da der Protagonist ein Schreiber alter Schule ist, monologisiert er in teils gedrechselten Sätzen und in ausgefeilter Sprache. Das steht in einem reizvollen Spannungsverhältnis zum boshaften Spott über die Kreuzfahrt-Kultur oder auch zur manchmal durchscheinenden Ironie, mit der sich dieser Schriftsteller selbst inszeniert. Kirchhoff präsentiert sich hier von einer anderen Seite als in den letzten drei Büchern. Hier zieht er vom Leder, mit allem, was ihm sein Humorarsenal zur Verfügung stellt: Ironie, Satire, Sarkasmus, Spott. Sehr unterhaltsam, wenn man nicht gerade Kreuzfahrt-Fan ist.

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