hr-iNFO Büchercheck: Dann schlaf auch du von Leila Slimani


Dann schlaf auch du

Leila Slimani wird als Shootingstar der französischen Literaturszene gefeiert. Ihr Roman „Dann schlaf auch du“ führt uns nach Paris, zu einem gut situierten Paar. Nach dem zweiten Kind will Myriam wieder arbeiten gehen – also sucht sie zusammen mit ihrem Mann Paul nach einer Nanny. Sie finden die perfekte Lösung: Louise macht sich schnell unentbehrlich.
hr-iNFO-Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Schon in den ersten Sätzen ist klar, wie die Geschichte endet: Die beiden Kinder Adam und Mila werden sterben, und Louise ist ihre Mörderin. Die Nanny hat versucht, sich nach der Tat das Leben zu nehmen, hat allerdings überlebt. Der Rest ist Rückblick: Myriam und Paul leben glücklich zusammen, doch Myriam fühlt sich nach der Geburt des zweiten Kindes immer mehr eingeengt und will wieder arbeiten. Sie stellen Louise ein, die so liebevoll mit den Kindern umgeht, und dazu noch aufräumt, putzt und kocht. Nach kurzer Zeit geht nichts mehr ohne Louise, Myriam und Paul konzentrieren sich auf ihre Karrieren und genießen das Leben. Die kleinen Zeichen, die darauf hindeuten, dass mit Louise nicht alles in Ordnung ist, werden ignoriert. Weil ein Leben ohne Louise das gesamte Lebenskonstrukt zum Einstürzen bringen würde.

Wie ist es geschrieben?
Leila Slimani hat für das Buch „Dann schlaf auch du“ im vergangenen Jahr den wichtigsten französischen Literaturpreis erhalten – sie schreibt beiläufig, fast banal, und deckt dabei doch meisterhaft die Tiefen und Untiefen der Charaktere auf: da sind Myriam und Paul, die sicherlich ihre Kinder lieben, aber auch ihre beruflichen Erfolge schätzen. Die immer freundlich und fast freundschaftlich zu Louise sind, aber sich kein bisschen für sie und ihr Leben interessieren. Und da ist Louise selbst, ihre Ehe gescheitert, ihr eigenes Kind abgehauen – sie ist abhängig von ihrer Arbeit in einer fremden Familie und setzt alle ihre Energie daran, perfekt zu sein. Und Mila und Adam, die Kinder, lieben sie, trotz ihrer Strenge:

„Sie bringt ihre Lippen dicht an Milas Ohr und sagt mit ruhiger, eisiger Stimme: „Lauf nie wieder weg, hörst du. Willst du, dass dich jemand klaut? Ein böser Mann? Das ist es, was nächstes Mal passieren wird. Dann kannst du schreien und weinen, so viel du willst, niemand wird kommen.“ Louise will das Kind gerade wieder absetzen, da spürt sie einen heftigen Schmerz in der Schulter. Sie schreit und versucht das Kind wegzustoßen, dessen Zähne sich tief in ihr Fleisch graben. Mila beißt sie bis aufs Blut und klammert sich dabei an Louises Arm wie ein verrückt gewordenes Tier.“

Wie gefällt es?
Es ist ein Sog, in den mich dieses Buch gezogen hat, ein Sog in die Katastrophe, von der ich ja wusste, dass sie passieren wird, es aber eigentlich nicht glauben wollte. Louise ist so perfekt, zuverlässig, talentiert in vielen Dingen. Aber die Demütigungen in ihrem Leben kann sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr überspielen. „Dann schlaf auch du“ von Leila Slimani ist nicht nur ein packender Psycho-Thriller, sondern ein Gesellschaftsroman über die vor allem in Frankreich typischen Familienverhältnisse von arbeitenden Eltern und den oft mehr oder weniger unsichtbaren Nannys.

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