hr-iNFO Büchercheck: Das alte Böse von Nicholas Searle


Nicholas Searle

Das Buch „Das alte Böse“ des Briten Nicholas Searle fängt ungewöhnlich an: Roy und Betty, beide über 80 Jahre alt, lernen sich über ein Datingportal kennen. Sie treffen sich, sie mögen sich, und bald zieht Roy zu Betty in ihr Haus auf dem Land. Doch von Beginn an ist klar: Roy hat es eigentlich nur auf das Geld von Betty abgesehen. Tappt Betty in die Falle? hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Roy ist ein Krimineller, sein ganzes Leben hat er auf Lügen und Betrügen aufgebaut. Allmählich fühlt er sich zu alt dafür, aber noch einmal will er zuschlagen, will das große Geld machen und sich dann zur Ruhe setzen. Betty scheint das ideale Opfer zu sein: gebildet aber naiv, intelligent aber gutmütig. Und vor allem mit viel Geld auf dem Konto. Nur mit Widerwillen erträgt Roy das gemeinsame Leben, um an sein Ziel zu gelangen:

“Roy bricht zu einem Spaziergang auf, nur um aus dem Haus zu kommen. Betty hat sich an ihr pingeliges Putzprogramm gemacht. Also brummelte er etwas in der Art, sie in Ruhe machen lassen zu wollen, und schlurft nun mühsam das Kopfsteinpflaster entlang. Erst wenn er außer Sicht ist, kann er die Füße heben und etwas schneller gehen. Sich so gebrechlich zu stellen kostet ihn einige Mühe, aber es muss sein. Endlich ist er weg. Offenbar bekommt man ihn nachmittags wirklich nur aus diesem Sessel, indem man zu putzen anfängt. Manchmal muss sie auch selbst das Haus verlassen und ausgedachten Tee mit ausgedachten Freundinnen trinken oder so tun, als habe sie etwas zu besorgen, damit sie sich sammeln, den Puls beruhigen und wieder gute Miene zum bösen Spiel machen kann.“

Roy hält die Fäden in der Hand, er manipuliert Betty, die scheinbar nichts bemerkt. Aber ist sie wirklich so unbedarft? Oder spielt auch sie ein Spiel mit ihm?

Wie ist es geschrieben?
Dass Roy wirklich das Böse ist, erfahren wir nicht nur durch sein Zusammenleben mit Betty, sondern auch in einigen Rückblenden, die die ganze Bandbreite seiner kriminellen Vergangenheit zeigen. Sie reicht bis ans Ende der 30er Jahre in Berlin. Stilistisch überzeugend erzählt Autor Nicholas Searle von dem Katz- und Maus-Spiel zwischen Roy und Betty, gekonnt schafft er es, eine unterschwellige Spannung bis zum Schluss zu halten.

Wie gefällt es?
Das Buch fängt harmlos an: Ja, Roy ist böse, ein Ganove alter Art, aber ist Betty nicht die Schlauere, die Intelligentere? Ich habe mich vor Roy geekelt, er hat mich angewidert, ich habe darauf gehofft, dass Betty noch irgendeinen Trumpf in der Hand hält, um diesen Menschen fertigzumachen. Und – ich kann ja das Ende eines Krimis nicht verraten– es gibt ein grandioses Finale, das alles noch einmal auf den Kopf stellt. Mich hat die intelligent und klug geschriebene Geschichte von Verbrechen und Rache absolut überzeugt.

 

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