hr-iNFO Büchercheck: Der Abgrund in dir von Dennis Lehane


Der-Abgrund-in-dir-Dennis-Lehane

Mit „Shutter Island“ wurde der US-amerikanische Autor Dennis Lehane berühmt. Jetzt gibt es einen neuen Roman von ihm: „Der Abgrund in dir“ ist Psychothriller, Liebesgeschichte und Verwirrspiel zugleich. hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann.“ Das ist der erste Satz des Buches. Und erst mehr als 300 Seiten später kommt das Buch auf diese Szene zurück. Bis dahin wird das Leben von Rachel Childs geschildert: ihre unglückliche Jugend, die Suche nach dem verschwundenen Vater, ihre Karriere als Journalistin, das berufliche Scheitern wegen einer Panikattacke während einer live-Schaltung ins Fernsehen, das private Scheitern ihrer ersten Ehe. Dann die zunächst äußerst glückliche Ehe mit ihrem zweiten Mann Brian, dem Mann, der ihr wieder Zuversicht gibt und sie langsam aus ihren Panikattacken herausführt. Bis sie erste Anzeichen dafür entdeckt, dass Brian nicht der Mann ist, für den er sich ausgibt. Sie recherchiert, sie folgt ihm, sie fühlt sich betrogen und benutzt, sie konfrontiert ihn mit seinen Lügen, wird von ihm bedroht und schießt. Obwohl sie ihn liebt und auch fest davon überzeugt ist, dass er sie liebt. Und jetzt geht der Thriller eigentlich erst richtig los…

Wie ist es geschrieben?
Dennis Lehane hat zwei herausragende Fähigkeiten: Charaktere bis in ihre Tiefen zu beschreiben und spannungsgeladene Action zu schaffen. Lange Strecken der Erzählung wechseln mit temporeichen Dialogen – und das alles macht den Thriller „Der Abgrund in dir“ zu einer äußerst fesselnden, aber auch unterhaltsamen Lektüre. Selbst der ausführliche Rückblick auf das Leben der Rachel Childs ist nie langweilig – aber richtig spannend wird es erst, als Rachel anfängt, ihrem Mann Brian zu misstrauen.
„Sie sah ihm wieder in die Augen. Irgendwas passiert immer, wenn man jemandem in die Augen sieht: Man gibt Macht ab, man nimmt sie oder teilt sie. Sie kamen zu dem wechselseitigen Entschluss, ihre Macht zu teilen. Sie legte ihre Hand sanft an seinen Kopf. „Ich glaube dir.“ „So hast du dich aber nicht benommen.“„Und ich wünschte, ich könnte dir den Grund dafür nennen. Liegt vermutlich bloß an dem verdammten Regen.“„Es regnet nicht mehr.“ Sie nickte zustimmend. „Ich weiß, dass du nach London geflogen bist.“„Sag es noch einmal.“ Sie stupste mit  ihrem nackten Fuß sanft die Innenseite seines Oberschenkels. „Ich weiß, dass du nach London geflogen bist.“ „Vertrauen wir einander jetzt wieder?“„Wir vertrauen einander jetzt wieder.“

Wie gefällt es?
„Der Abgrund in dir“ von Dennis Lehane ist ein Thriller der Täuschungen. Brian ist nicht der, der er zu sein scheint. Er gibt sich aus als ein anderer.
Aber: Spielen wir nicht alle irgendwelche Rollen – natürlich ohne kriminellen Hintergrund wie in diesem Fall? Mich hat das Buch gefesselt, auch ich wurde getäuscht, es gibt so viele irre Wendungen in dem Buch, so viele Überraschungen, so vieles ist anders, als zunächst gedacht. Dennis Lehane ist ein Meister der psychologischen Spannung.

hr-iNFO

 

 

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte geben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag ein.

Wie wir mit Ihren Daten umgehen lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Jeden Donnerstag auf hr-iNFO:


Der "Büchercheck" stellt eine ausgewählte Neu­erscheinung vor. Wir sind Partner­buch­handlung. Näheres hier!

Ihr Lesetipp?


Schreiben Sie Ihre eigene Buch­em­pfeh­lung und wir ver­öffent­lichen sie auf unserer Website.

Büchergilde


Wir sind Partnerbuchhandlung der bibliophilen Buchgemein­schaft Bücher­gilde Gutenberg.

Regionale Literaturszene


Befreundete Autoren


  • Original Hanau: Der Underground-Künstler Helmut Wenske alias Chris Hyde
  • Literatur lokal: Das Literaturforum Hanau
  • Hartmut Barth-Engelbart ist der immer noch der alte Revoluzzer. Urgestein der Hanauer Szene, Lehrer, Musiker und Schriststeller.
  • Georg Klein erhielt 1999 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau, u.a. für seinen geheimnisvollen Agentenroman "Libisdissi". Leider ist die Website des Autors derzeit nicht aktiv. Näheres gibts bei Perlentaucher.
  • Claudia Schreiber ist die Autorin von "Emmas Glück", das bei der Aktion "Hanau liest ein Buch" im Juni 2005 von besonders vielen Hanauern und Hanauerinnen gelesen wurde. Zuletzt las sie für uns aus dem satirischen "Naturführer" "Heimische Frauenarten" im Frühjahr 2010.
  • Jan Seghers (Frankfurt-Krimi) alias Matthias Altenburg (literarische Romane) las bei uns aus seinen Krimis "Ein allzu schönes Mädchen" (2004) sowie "Die Braut im Schnee" (2005). Zuletzt las er für uns aus dem vierten Krimi um Kommissar Robert Marthaler "Die Akte Rosenherz" im Frühjahr 2010 (siehe "Rückblick).
  • Matthias Fischer las im Dezember 2007 bei uns aus seinem zweiten Main-Kinzig-Krimi "Tödliche Verwandlung" sowie aus dem dritten Teil "Schlafender Drache" im Dezember 2009 (siehe "Rückblick).
  • Jutta Wilke, lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in einem gemütlichen Haus in Hanau. Ihre Geschichten schreibt sie am liebsten dort, wo bei ihr das Leben tobt - am Küchentisch. Einblicke in ihr Leben als Autorin gibt sie im eigenen Autoren-Blog Ihr Jugendbuch "Holundermond" erschien Anfang 2011! Alle Bücher von Jutta Wilke anzeigen

© 2018 Buchladen am Freiheitsplatz | Impressum | Datenschutz | AGB | Widerrufsbelehrung | Kontakt | RSS | Atom