hr-iNFO Büchercheck: Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens von Oliver Bottini


Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

Oliver Bottini führt uns mit „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ nach Rumänien, in ein Land, das von Landwirtschaft geprägt ist, der Boden aber längst nicht mehr den Rumänen gehört, sondern Deutschen, Österreichern, Saudis oder anderen Agrar-Multis. Oliver Bottini hat für dieses Buch den 1. Platz beim Deutschen Krimipreis 2018 bekommen. hr-iNFO-Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Lisa, eine 18jährige Deutsche, wird brutal ermordet. Sie ist die Tochter eines Mecklenburgers, der hier in Rumänien vor Jahren ein Gut gegründet und es nach seiner Heimat Neu-Prenzlin genannt hat. Unter Verdacht gerät der Landarbeiter Adrian Lascu, ein einfacher Junge, der sich in Lisa verliebt hatte und nun verschwunden ist. Womöglich abgehauen nach Deutschland, in die Heimat von Lisa, wohin diese auch wieder zurückkehren wollte. Kriminalpolizist Cozma, der eigentlich nur auf seine Pensionierung wartet, wird abkommandiert, den Fall zu lösen.

„Sie wissen, dass ich ihn nicht einfach so holen kann.“ sagte Cozma.
„Aber Sie können mit ihm reden.“
„Auch das nicht. Jedenfalls nicht offiziell.“
„Inoffiziell, als Abgesandter der Familie Lascu. Und wer weiß, vielleicht kommt er ja freiwillig mit Ihnen zurück.“
„Und wenn er lügt?“
Sie seufzte. Er mochte das Geräusch, es klang sanft, geduldig. „Fahren Sie nach Prenzlin, sprechen Sie mit ihm. Dann sehen Sie, ober er lügt oder nicht.“
Unwillkürlich fiel sein Blick auf die Äcker, die wenige Meter weiter am Ende der Straße begannen und sich entlang des Waldes und der Hügel Hunderte Meter weit hinzogen. Nicht um Lisa ging es, dachte er plötzlich. Sondern darum: Land.

Wie ist es geschrieben?
Oliver Bottini schreibt klar, nüchtern, präzise. Und doch gelingt es ihm, die Personen einfühlsam mit all ihrem erlebten Leid und ihren Hoffnungen zu charakterisieren. Er schildert Familiengeschichten und die Umbrüche in Ostdeutschland und Osteuropa nach 1989. Das macht Geschichte erlebbar und nah – hier ist es besonders das Schicksal rumänischer Grundbesitzer, die nicht nur ihr Land verkaufen müssen, sondern dabei auch noch betrogen werden.

Wie gefällt es?
„Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ von Oliver Bottini ist ein großes Buch über die Globalisierung, vor allem über die Folgen des Wirkens der Agrarkonzerne für die kleinen Menschen. Der Krimi hat mir einen Einblick in das Thema Landraub und Landkauf gegeben mit vielen Einzelheiten, von denen ich bislang nichts wusste. Korruption, Betrug, Machtmissbrauch – all das kennzeichnet noch immer die rumänische Gesellschaft, so schildert es der Krimi. Die Menschen haben zwar den unbändigen Willen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Aber es
funktioniert nicht. Es bleiben Verluste, Trauer und Wut. Eine Wut, die einen Mord begründet.

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