hr-iNFO Büchercheck: Die Herzen der Männer von Nickolas Butler


Die Herzen der Männer

Nickolas Butler ist 38. Mit seiner Frau und zwei Kindern lebt er in Wisconsin. Sehr ländlich im Norden der USA. Auf Fotos präsentiert sich Butler als kräftiger, bärtiger Mann in Holzfäller-Hemden. Man könnte sagen, ein weißer Mann aus dem Herzen der USA, verwurzelt in der Landschaft, den Träumen und Legenden des Landes. So liest sich auch sein Roman. Seine Protagonisten sind Pfadfinder. Sie stehen für die amerikanische Gesellschaft, für ihren Wandel bis hin zu Trump. hr-iNFO-Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Männerherzen werden früh gebrochen, zumindest in diesem Roman. Väter schlagen und lassen ihre Familien sitzen, sie betrügen. Söhne und Mütter bleiben zurück. Freunde verraten, Kameraden demütigen, Freundinnen treiben es mit anderen. Stabilität bietet dagegen ansatzweise die Pfadfinderschaft mit ihren Regeln, Ritualen, Rollen und Rangordnungen. Und danach das Militär. Ein Netz für Desillusionierte und Verlorene. Hier finden die verlorenen Herzen scheinbar Halt, eine Illusion von Heldentum. Und sei es auch nur, um dann in unbarmherzigen Niederlagen den Grundboden zu finden für einen neuen Lebensansatz. So geht es Nelson in den 60ern und 70ern und Trevor in den 90ern. Als Trevors Sohn Thomas nach der Jahrtausendwende im Pfadfindercamp ist, fällt auch das Pfadfindernetz in sich zusammen. Die Vorstellungen von Ehre und Pflicht, die Rituale: bestenfalls leere Hüllen. Thomas´ Mutter bringt es auf den Punkt:

„Der Welt, so scheint es, ist es heutzutage ziemlich egal, ob man ein Adler-Pfadfinder oder überhaupt ein Pfadfinder ist. Es dreht sich nur noch darum, wie viele ‘Follower’ man hat, wie perfekt der mit Selbstbräuner besprühte Waschbrettbauch aussieht und ob man genial genug war, ein Start-up-Unternehmen an den Mann zu bringen, das auch nicht ein einziges nützliches Produkt auf die Beine gestellt hat.“
Männer sind in diesem Buch gezeichnete Wesen. Die Mütter sind die eigentlichen Heldinnen.

Wie ist es geschrieben?
Butler schreibt seine Männergeschichten mit viel Empathie für seine Protagonisten. Es sind beeindruckende Typen, die in sich in dem Buch den Staffelstab reichen. Und ihre Geschichten sind drastisch. Spannend, aber vor allem emotional. Die Leben der drei Figuren sind verkettet und fließen chronologisch ineinander, treiben sich an, die Handlung entwickelt einen Sog. Die Sprache ist eingängig, erleichtert den Lesefluss.

Wie gefällt es?
Wie in vielen US-amerikanischen Romanen sind auch hier die Charaktere zugespitzt. Manches Gute oder Böse wirkt ein wenig holzschnittartig. Mich hat das nicht gestört. Dafür sind die Figuren insgesamt zu stark. Sie können am Beispiel dieser Pfadfinderwelt gut vermitteln, wie ein Teil der amerikanischen Seele tickt, wie sie sich verändert und was sie verliert.

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