hr-iNFO Büchercheck: Die letzte Terroristin von André Georgi


André Georgi

„Die letzte Terroristin“ heißt das Buch von André Georgi, und es spielt in der Endphase des deutschen Terrors durch die Rote-Armee-Fraktion Anfang der 90er Jahre. Im Mittelpunkt steht dabei der Chef der Treuhand-Anstalt, der die Privatisierung der ehemals volkseigenen Betriebe der DDR vorantreiben soll. hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Das BKA steht mächtig unter Druck: Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank ist ermordet worden, die RAF hat sich zu der Tat bekannt. Die Ermittlungen verlaufen zäh. Der Schutz für andere Persönlichkeiten, die als gefährdet gelten, wird erhöht. Darunter Treuhandchef Hans-Georg Dahlmann. Für die Linken ein Hassobjekt, versucht er doch ehemalige Staatsbetriebe der DDR nach kapitalistischen Regeln zu privatisieren. Im Osten verhasst, weil er das Vermögen der DDR verscherbelt. Tatsächlich versucht Dahlmann mit aller Energie zu verhindern, dass das Chemiewerk Bitterfeld billigst an mögliche Scheinfirmen verkauft wird. Und da ist Sandra, eine frühere Freundin seiner Tochter, die er nun als Assistentin einstellt. Er ahnt nicht, dass sie im Auftrag der RAF unterwegs ist . . .

Wie ist es geschrieben?
Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven treiben die Geschichte voran: mal aus Sicht der BKA-Beamten, mal aus Sicht der Terroristen, mal aus Sicht von Dahlmann. Eine knappe, präzise Sprache. Platz finden auch die Gedanken, die inneren Zweifel:

„Sandra kann dem Gespräch nicht folgen, sie ist weit, weit weg von allen. Bei der Pistole in ihrer Manteltasche, bei der Szene eben im Flur, als sie den richtigen Moment verpasst hatte. Sie hatte die Hand schon an der Waffe. Er stand nicht mal drei Meter von ihr entfernt, die optimale Distanz, weit genug weg, um ihr nicht in die Arme zu fallen, nahe genug, um sicher zu treffen, sie hätte nicht mal groß zielen müssen. Doch da war Dahlmanns Blick, diese klaren, blauen Augen, die etwas Durchdringendes haben können, fast hat es so gewirkt, als wüsste er, was geschehen würde. Und dann kam der Junge in den Flur gelaufen.“

Wie gefällt es?
„Die letzte Terroristin“ ist ein spannendes Buch mit zeitgeschichtlichem Hintergrund. Bezüge zu tatsächlichen Morden der RAF und Treuhand-Chef Detlev Rohwedder, sind explizit gewollt, auch wenn die Namen geändert werden mussten. Aber die geschichtliche Dimension ist für mich auch ein Problem: das Buch streut Zweifel an der bisherigen Annahme, die RAF hätte den Treuhand-Chef ermordet, stellt andere Tätergruppen in den Fokus. Doch Beweise kann ein Krimi natürlich nicht liefern, und so habe ich mich beim Lesen oft gefragt: Was ist wahr, was könnte wahr sein, was ist vielleicht falsch? Doch trotz allem ist „Die letzte Terroristin“ von André Georgi ein fesselndes Buch über die Endphase des deutschen Terrorismus und über die widerstrebenden wirtschaftlichen und politischen Interessen der frühen Nach-Wende-Jahre.

hr-iNFO

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