hr-iNFO Büchercheck: Ein schönes Paar von Gert Loschütz


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Der Schriftsteller Gert Loschütz hat eine bewegte Familiengeschichte. 1946 im sachsen-anhalthinischen Genthin geboren, übersiedelte er 1957 mit seiner Familie ins hessische Dillenburg . Diese Geschichte um die Flucht aus der DDR und das Ankommen im Westen hat Loschütz immer wieder literarisch verarbeitet – so auch in seinem neusten Roman: „Ein schönes Paar“. hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Es ist ein Roman über eine Liebe im Schatten der deutsch-deutschen Teilung. Die Hauptfigur ist ein Fotograf namens Philip. Als dessen Eltern kurz nacheinander sterben und er ihre Hinterlassenschaften ordnet, stellt er fest, dass die beiden– obwohl seit Jahrzehnten getrennt – auf merkwürdige und intensive Weise miteinander verbunden geblieben waren.

Es war ein Totentanz, denke ich noch jetzt, Jahre danach. Dieses Festhalten, Loslassen, Heranziehen, Abstoßen war wie ein Totentanz. Sie lebten noch, sie waren zusammen, sie hielten sich am Arm, aber zwischen ihnen ging ein Dritter, der Abschied. Er war es, der sich bei ihnen eingehakt hatte.

Philip rekonstruiert die Geschichte seiner Eltern vom Kennenlernen 1939, über das prekäre Leben in der DDR, bis zur  Flucht in den Westen und zum Zerbrechen der Ehe unter dramatischen Umständen. So ergibt sich nach und nach das Bild zweier Menschen, die zusammengehörten, aber nicht zusammen sein durften, das Bild einer Liebe, die – wie es im Roman heißt – durch die Liebe selbst zerstört wurde.

Wie ist es geschrieben?
Der Ton dieses Romans ist  nicht laut oder dramatisch, sondern eher intensiv und spannungsgeladen. Loschütz hat ein präzises Gespür für die enttäuschten Hoffnungen und gescheiterten Ansprüche seiner Figuren. Da ist die Mutter, deren Kleiderschrank vollgestopft ist mit selbstgeschneiderten,  aber nie getragenen Kleidern; oder da sind die Werbestrategen der DDR, die ihre realsozialistischen Fernsehgeräte großspurig „Rembrandt“ und „Rubens“ nennen.
Das besondere dieses Romans ergibt sich aber dadurch, dass seine Hauptfigur ein Fotograf ist – einer, der Welt in Bildern wahrnimmt, und zwar immer wieder in Bildern, die urplötzlich ins Abgründige kippen – wie zum Beispiel in dieser Badesee-Szene: „Das Wasser selbst war so schwarz, dass man nicht hindurchzuschauen vermochte, so dass jemand, der bis zum Bauch darinstand, wie ein Torso aussah, wie ein Halbierter.“ Mit solchen Bildern gelingt es Loschütz immer, die merkwürdige Spannung sinnfällig werden zu lassen, die die Eltern des Erzählers miteinander verbindet und gleichzeitig voneinander trennt.

Wie gefällt es?
Gert Loschütz zeichnet mit diesem Roman ein eindringliches Portrait deutsch-deutscher Zerrissenheit. Man kann diese Geschichte als Allegorie der deutschen Teilung lesen. Man kann sie aber auch als Hommage des Autors an die außergewöhnliche Liebe seiner Eltern begreifen – einer Liebe, die man so noch nicht erzählt bekommen hat, und die von daher ein ganz anderes, ein ganz neues, ein außergewöhnliches Licht auf die jüngere deutsche Geschichte wirft. 4 Sterne!

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