hr-iNFO-Büchercheck: Eindeutiger Versuch einer Verführung von Alissa Walser


Alissa Walser

Die Schriftstellerin Alissa Walser, Jahrgang 1961, ist – ob in ihren Prosatexten, Gedichten oder Theaterstücken – eine sehr genaue Beobachterin menschlicher Beziehungen. Sie findet einen spielerischen, assoziativen Zugang zu den Gefühlen und Befindlichkeiten ihrer Figuren, und damit auch zum Leser. hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
„Eindeutiger Versuch einer Verführung“ – der Titel verführt! Alissa Walsers neues Buch ist eine Sammlung von kurzen Episoden, Szenen, Dialogen und Beobachtungen. Die Autorin erzählt von Zufallsbekanntschaften im Kino und im Supermarkt, in der U-Bahn oder Gärtnerei. Sie konstruiert Mutter-Tochter-Dialoge, in denen sich in aller Kürze ein ungutes Machtverhältnis ausdrückt. Und sie schildert Szenen aus dem Alltag eines Paares, die wie Ausschnitte aus einem Beziehungsroman wirken, in denen Empfindlichkeiten, Missstimmungen, Enttäuschungen angedeutet werden, das ganze schwierige Geschäft des Zusammenlebens.

Wie ist es geschrieben?
Durch die wechselnden Erzählhaltungen, Orte und Figuren, die sehr unterschiedliche Themen und auch Formen der 57 kleinen Texte, entsteht der Gesamteindruck eines Mosaiks, das bewusst unfertig belassen wurde. Allerdings kommt mir manches unmotiviert vor, so dass es mir schwer fiel, der inneren Entwicklung oder inneren Logik einzelner Episoden zu folgen. Was mir gut gefällt ist die schnörkellose, oft lyrisch angehauchte Sprache. Sprache, das zeigt sich hier wieder, kann beides: Menschen trennen und verbinden. Sie macht sichtbar, was wir sonst nicht wahrnehmen. Alissa Walsers Sprache schwebt in manchen Szenen federleicht über ihren Figuren.

„Abends steigt sie aufs Trampolin, das auf der Terrasse steht. Abwechselnd springt und läuft sie im Rhythmus. Hoch, hoch, immer wieder hoch, ohne nach vorn Raum zu gewinnen, dafür nach oben, Raum den sie jedoch gleich wieder verliert. Und wenn der Wind die leichten weißen Gardinen in Wellen durch die geöffneten Fenster schiebt, fühlt sie sich von drinnen angesprochen.“

Wie gefällt es?
Ich habe „Eindeutiger Versuch einer Verführung“ mit gemischten Gefühlen gelesen. Da gibt es eindringliche kleine Portraits, Momente intensiver Poesie, aber auch immer wieder Gedanken, Aussagen und Bilder, die mir nicht einleuchten. Vielleicht kann man es so sehen: Alissa Walser möchte uns verführen. Zum Schauen oder auch zum Innehalten. Erst wenn wir bereit sind uns darauf einzulassen, dass es primär gar nicht um die Handlung geht, sondern um die von ihr ausgelösten Empfindungen und inneren Vibrationen, dann können viele dieser kleinen Texte uns auch verführen.

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