hr-iNFO Büchercheck: Elly von Maike Wetzel


Elly-Maike-Wetzel

„Elly” heißt der Debütroman der 1974 in Groß-Gerau geborenen Schriftstellerin und Drehbuchautorin Maike Wetzel. Das Projekt brachte ihr im Vorfeld der Veröffentlichung schon den renommierten Robert Gernhardt Preis ein. hr-iNFO Büchercheckerin Sylvie Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Elly ist ein kleines Mädchen, 11 Jahre alt. Sie hat eine ältere Schwester, Ines, ihre Eltern sind Freiberufler. Es ist eine ganz normal funktionierende deutsche Durchschnittsfamilie. Bis Elly eines Tages vom Judo-Training nicht mehr zurückkehrt. Das Mädchen bleibt verschwunden und ist doch allgegenwärtig in den Gedanken, Handlungen und Erinnerungen der Eltern und der Schwester. Das Schlimmste ist die Unsicherheit, das permanente Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Und damit verbunden sind furchtbare Schuldgefühle und Phantasien über das, was passiert sein könnte: Mord, Vergewaltigung, Entführung, professioneller Missbrauch. Sogar die Eltern selbst werden verdächtigt, ihr Kind getötet zu haben – an all dem zerbricht diese Familie fast.

Wie ist es geschrieben?
Multiperspektivisch. Hochsensibel! Und sehr spannend! Einmal heißt es, „diese Geschichte ist auch ein Theaterstück“. Ines schreibt das, Ellys Schwester. Sie meint damit wohl, dass sich dieses Drama auf engstem Raum abspielt. In der Familie, zu Hause, in den Köpfen der Beteiligten. Wobei – im Gegensatz zum normalen Theaterstück – sehr wenig geredet wird. Der Schmerz und vor allem die Ungewissheit paralysieren die Menschen und lassen sie verstummen. Nur Ines weiß sich zu helfen: sie schreibt Ellys Geschichte auf.

„Diese Geschichte ist nicht meine Geschichte. Ich bin nicht sicher, wem sie gehört. Sie liegt auf der Straße, sie schläft in unserem Haus und trotzdem ist sie mir immer einen Schritt voraus. Wenn ich diese Geschichte nun aufschreibe, ist das ein Versuch, sie zu bannen.“

Wie gefällt es?
Sehr gut! Für mich hat der Roman nur einen Schönheitsfehler: am Schluss wird mir zu viel erklärt – und dann eben doch zu wenig. Ich hätte ein komplett offenes Ende besser gefunden, beunruhigender. Aber wie uns in diesem Roman begreifbar gemacht wird, wie die Säure der Angst und des Misstrauens in ein stabiles Familiengebäude hinein sickert und alle Sicherheiten zersetzt – das ist subtil, psychologisch überzeugend und sprachlich brillant gemacht!

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