hr-iNFO Büchercheck: Ermordung des Glücks von Friedrich Ani


Ermordung des Glücks

„Die Ermordung des Glücks“ spielt in München, Hauptperson ist Ex-Kommissar Jakob Franck. Er hat die besondere Begabung, verständnisvoll und einfühlsam Todesnachrichten zu überbringen. Trotz Pensionierung darf er das weiterhin – und so gerät er in den Fall eines vermissten elfjährigen Jungen, dessen Leiche nach 34 Tagen gefunden wird.
hr-iNFO-Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Lennard Grabbe ist tot, seine Mutter Tanja verliert ihren Halt, ihren Lebensmittelpunkt, verliert auch endgültig den Kontakt zu Vater und Ehemann Stephan. Sie dreht durch, ein wenig Beistand findet sie bei ihrem Bruder, doch eigentlich existiert diese Familie seit der Todesnachricht nicht mehr. Das Glück, so sagt es ja auch der Titel des Buches, ist ermordet worden. Ex-Kommissar Jakob Franck hat diese entsetzliche Nachricht in die Familie gebracht. Er will wissen, wer Schuld hat an diesem Tod, an diesem Unglück, das zunächst so gar keine Spuren hinterlassen hat, kein Indiz, keinen Hinweis.

Wie ist es geschrieben?
Autor Friedrich Ani ist ein Meister der Psychologie: mit Ex-Kommissar Franck vertieft er sich in die Tiefen und Untiefen aller Personen, die sich um den nun toten Jungen bewegt haben. Er beleuchtet die Mutter, den Vater, einen Onkel, Nachbarn und vermutliche Augenzeugen des Mordes. Ein ungeheuer tiefgehendes Psychogramm von Personen –zum Beispiel von der Mutter Tanja Grabbe.

„Wenn sie ihn an diesem Abend ansah, hatte Franck den Eindruck, jenes Ewige Licht, das er hin und wieder in den Augen von Angehörigen als Beweis der unzerstörbaren Verbindung zu einem geliebten, toten Menschen wahrzunehmen meinte, sei in den Nächten ihrer eisigen Einsamkeit erloschen und kein Gebet, kein Lebensfreund, keine Zeitenwende könnten es je wieder entfachen.“

Wie gefällt es?
Friedrich Ani schreibt keine Thriller, keine atemlosen, aktionsgeladenen Krimis. Er ist der Autor für die leisen Töne, für die Hintergründe, die Melancholie, für die dunklen Seiten. Und die hat in diesem Fall fast jede und jeder: die Mutter, der Vater, der Onkel, niemand ist hier ohne Schuld, ohne wirklich verantwortlich zu sein an diesem so unglückseligen Tod eines elfjährigen Jungen. Es geht um Geheimnisse, das Schweigen, das Leiden, und ja, am Ende natürlich um das Unglück, das alle miteinander teilen. Trotzdem hat mich der Krimi „Ermordung des Glücks“ fasziniert, weil er nicht verzweifelt, eben nicht unglücklich macht, sondern schildert, dass Zufälle zum Verschwinden des Glücks führen können.

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