hr-iNFO-Büchercheck: Junger Mann von Wolf Haas


Junger-Mann-Wolf-Haas

Der Österreicher Wolf Haas ist mit seinen Kriminalromanen um den kauzigen Kommissar Simon Brenner bekannt geworden, diese skurrilen Geschichten, die regelmäßig mit dem Stoßseufzer „Jetzt ist schon wieder was passiert“ anfangen. Und tatsächlich ist jetzt schon wieder was passiert. Es gibt einen neuen Roman von Wolf Haas. „Junger Mann“ heißt der. hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
„Junger Mann“ sind eigentlich zwei Romane. Es ist einmal die Geschichte des Schriftstellers Wolf Haas als – ja – „Junger Mann“, und zwar als ziemlich dicker junger Mann, als der er im Salzburger Land aufgewachsen ist – vollgestopft mit Schokoriegeln und zur relativen Bewegungslosigkeit verurteilt, nachdem er sich mehrmals beim Skifahren das Bein gebrochen hat:
Von den Zehen bis zur Hüfte eingegipst, humpelte ich voller Autogramme meiner Schulfreunde durchs Leben und machte eine interessante Entdeckung. Wenn es unter dem Gips juckt, kann man sich nicht kratzen. Aber irgendwann hört es von selbst wieder auf.
Dann aber, genau zur Hälfte des Buches, nimmt dieser Roman Fahrt auf, als der 14-jährige Erzähler zusammen mit dem Fernfahrer Tscho – in dessen Frau er unsterblich verliebt ist – auf eine wilde Reise geht, die sie vom Salzburger Land bis nach Griechenland führt. Und plötzlich wird aus der Jugendgeschichte eine rasante Roadnovel, an deren Ende aus dem dicken Jungen tatsächlich ein junger Mann geworden sein wird.

Wie ist es geschrieben?
Dieser Roman hat all das, was man an dem typischen Wolf-Haas -Stil einfach mögen muss: Lakonische, immer leicht absurde Behauptungen – wie: „Rückwärts durch die Knie betrachtet war die Welt schon immer am interessantesten“ – und Schilderungen von aberwitzig-komischen Alltagssituationen. Das alles macht das Lesen zu einem großen Vergnügen, aber man sollte sich von der witzigen und temporeichen Erzähloberfläche nicht täuschen lassen. Wolf Haas wäre nicht Wolf Haas, wenn es ihm nicht gleichzeitig auch um mehr ginge. In diesem Fall ist es das Thema „Übersetzen“ – in diesem Roman wird ständig und auf allen Ebenen übersetzt: Zwischen Sprachen, zwischen Orten und Ländern und letztendlich auch zwischen Lebensphasen. Das kann man leicht überlesen, aber wenn man einmal darauf gestoßen ist, sieht man es überall und merkt erst, wie wunderbar komplex dieser Roman ist.

Wie gefällt es?
Muss ich das noch sagen? Ich liebe die Bücher von Wolf Haas sowieso, aber „Junger Mann“ ist doch etwas Besonderes: Ein Roman über das Erwachsenwerden und zugleich eine raffinierte Metapher für die Reise vom Jungen zum Mann. Ein scheinbar unschuldiger Coming-Of-Age-Roman, der es faustdick hinter den Ohren hat, und den man zwei, dreimal lesen kann – und eigentlich auch muss.

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