hr-iNFO Büchercheck: Leinsee von Anne Reinecke


Leinsee

„Leinsee“ heißt ein neuer Roman aus diesem Frühjahr. Seine Autorin Anne Reinecke wurde 1978 geboren, „Leinsee“ ist ihr Debüt. Ein Grund, mal wieder gespannt zu sein auf eine neue Erzählerstimme.
hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Karl ist Ende zwanzig und ein erfolgreicher Künstler in Berlin. Am Beginn des Romans erfährt er per Telefon, dass sein Vater sich das Leben genommen hat, weil seine Mutter eine sehr schwierige Hirnoperation hatte, die sie möglicherweise nicht überleben wird. Karls Eltern waren das Glamourpaar der deutschen Kunstszene. Sie zelebrierten ihr Künstlertum international, was der Sohn immer lächerlich fand. Als Karl jetzt vom Selbstmord des Vaters erfährt, reist er nach Leinsee am Leinsee, wo seine Eltern in einem Riesenanwesen wohnen, um sich um die Beerdigung und seine frisch operierte Mutter zu kümmern.

„Mara. Als der Anruf gekommen war, war sie ans Telefon gegangen. Sie hatte die Stirn gerunzelt und gesagt: „Ja. Einen Moment.“ Sie hatte ihm den Hörer gereicht und ihn nicht mehr aus den Augen gelassen, die Hand auf der Brust in Ahnungspose, zu allem Überfluss auch noch umleuchtet von der Sonne, die hinter ihr durchs Fenster fiel. Mara Dolorosa.“

Wie ist es geschrieben?
Anne Reinecke versteht es, zwei sehr unterschiedliche Geschichten miteinander auszubalancieren. Da ist der Künstlerroman, der frech und ironisch daherkommt. Eine sehr pointierte Satire auf den Kunstbetrieb, auf die leere Aufgeblasenheit von Künstlern und Galeristen, Rezensenten und Interviewern. Da gibt es Situationen und Typen, die sind echt zum Lachen! Dazu kommt aber noch eine ganz besondere Freundschafts- und Liebesgeschichte, die Anne Reinecke heiter, leicht und sehr liebevoll in Szene setzt. Aber nie kitschig oder sentimental.

Wie gefällt es?
Sehr gut!! Denn Anne Reinecke ist es gelungen, die zarte Freundschaft zwischen Karl und einem kleinen Mädchen – Tanja – so zauberhaft zu entwickeln, dass dieses Thema keinen Moment lang schräg rüberkommt. Es ist eine ganz zarte Begegnung und später Verbindung zwischen dem Kind und dem Mann, und dann eine ganz langsam wachsende Liebe. Anne Reinecke bürstet beide Genres, den Künstlerroman wie die Liebesgeschichte, gegen den Strich. Das ist mutig und originell vom Konzept her und sensibel und spielerisch umgesetzt. Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen!!

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