hr-iNFO Büchercheck: Mexikoring von Simone Buchholz:


Simone Buchholz

Mexikoring ist ein Bürohochhausghetto im Norden Hamburgs. Hier brennt ein Auto, wie so oft in dieser Stadt. Aber diesmal sitzt noch jemand drin. hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Staatsanwältin Chastity Riley wird aus dem Bett geklingelt: ein Auto brennt, darin eingeschlossen ein Mann, er wird von der Feuerwehr herausgeholt und ins Krankenhaus gebracht, aber er überlebt nicht. Die Fahrzeugpapiere nennen einen Namen, der alle elektrisiert: Nouri Saroukhan, Mitglied eines türkischstämmigen Clans, der die Polizei immer wieder beschäftigt. Nouri, das wird schnell ermittelt, war nicht in die kriminellen Strukturen verwickelt, seine Familie hatte ihn deshalb verstoßen. Er hatte in Hamburg studiert, das Studium jedoch vor einiger Zeit hingeschmissen und für gutes Geld bei einem Versicherungskonzern gearbeitet. Parallel wird die Geschichte von Nouris Jugend erzählt, wie er in der Familie aneckt, wie er immer wieder brutal geschlagen wird. Und eines Tages Aliza kennenlernt, ein wildes, eigenwilliges Mädchen, das ebenso wie er aus einer Clan-Familie stammt und sich nicht einfügen will.

Wie ist es geschrieben?
Simone Buchholz schreibt in einem ungewohnten, schnoddrigen Ton, der besonders gut ihre Hauptfigur, die Staatsanwältin Chastity Riley, charakterisiert. Diese ist taff, spröde, trinkt zu viel, kann mit Gefühlen und den dazugehörigen Männern nicht umgehen – lässt sich aber nie ganz unterkriegen. „`Wer zur Hölle hat Nouri Saroukhan umgebracht? Familie oder Freunde?´ Ich würde jetzt spontan sagen: das Leben, aber das sag ich lieber nicht, Stepanovic hasst es, festzustecken, da sollte man dann keine blöden Scherze machen. Obwohl, so blöd war der gar nicht, und lustig war es eigentlich auch nicht gemeint. `Ich tippe auf Feinde´, sagt der Faller. So, der war jetzt echt keinen Deut besser. Dann trinken wir zusammen und warten darauf, dass die Fragen endlich hinter den Horizont fallen.“

Wie gefällt es?
Der schnoddrige Tonfall hat mich am Anfang irritiert – und dann konnte ich nicht mehr genug davon bekommen. Das ist irgendwie sehr cool, sehr direkt, manchmal auch sehr hart. Es hat mich gefesselt, von der doch mehr oder weniger kaputten Staatsanwältin Chastity Riley zu lesen. Und ihren Ermittlungen, die mitten in die Clan-Strukturen führen. Clans, die die Polizei nicht akzeptieren, die eigene Gesetze haben, die kriminell sind und rauben und morden, auch in ihren eigenen Kreisen. Der Krimi „Mexikoring“ hat mich da reingezogen – und berührt hat mich die Geschichte von Nouri und Aliza, den rebellischen Kindern, die gegen ihre Familien aufbegehren, zusammen fliehen wollen, aber das dann doch nicht schaffen. Aber dahinter steckt wieder ganz was anderes…

hr-iNFO

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