hr-iNFO Büchercheck: Sakari lernt, durch Wände zu gehen von Jan Costin Wagner


Cover Sakari lernt durch Wände zu gehen

Der Titel „Sakari lernt, durch Wände zu gehen“ von Jan Costin Wagner hört sich kompliziert und nicht unbedingt nach einem Krimi an, ist aber einer.
hr-iNFO-Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Finnland, Turku, es ist heiß. Ein junger Mann steht nackt im Brunnen mitten auf dem Marktplatz, ein Messer in der Hand. Die Polizei wird gerufen, Petri Grönholm nähert sich vorsichtig dem Mann. Dieser fängt an, sich selbst mit dem Messer zu verletzen, geht plötzlich auf den Polizisten zu. Da schießt Grönholm, und der junge Mann ist tot. Grönholm ist erschüttert, er kann sich im Nachhinein nicht erklären, warum er zur Waffe gegriffen hat. Und will nun unbedingt wissen, was mit dem Mann, Sakari sein Name, los war. Grönholm bittet seinen Kollegen Kimmo Joentaa um Hilfe. Kimmo sucht Sakaris Familie auf. Er erfährt nach und nach von einer dramatischen Verstrickung zweier benachbarter und befreundeter Familien. Sakari hatte schon in seiner Jugend psychische Probleme und ohne Absicht großes Unheil in die Nachbarsfamilie gebracht. Kimmo sieht, wie zwei Familien an diesem Unglück zerbrochen sind, und kann doch nicht verhindern, dass es weitere Tote gibt.

Wie ist es geschrieben?
Aus der Perspektive vieler verschiedener Menschen wird eine ungemein traurige, am Ende aber auch versöhnliche Geschichte erzählt. Jan Costin Wagner hat eine klare, manchmal fast nüchterne Sprache, doch er schreibt ungeheuer feinfühlig und warmherzig.

„Die Sonne brennt, denkt Joentaa vage, das Lied, das aus dem Fernseher dringt, scheint von Feuern zu erzählen. Die Sonne brennt, denkt Joentaa noch einmal, er weiß nicht, woher der Gedanke kommt. „Am Ende war es die Sache mit Emma, die ihn nicht mehr losgelassen hat“, sagt Sakaris Mutter. „Er konnte das nicht mehr zuordnen…“ Sie ist so beherrscht, denkt Joentaa. So traurig und so beherrscht. Weil es anders nicht zu ertragen ist.“

Wie gefällt es?
Es ist vielleicht ungewöhnlich zu sagen, aber Jan Costin Wagner schreibt einfach schön. Einige Sätze sind wie Perlen, die man sich immer wieder ansehen will. Ich habe mich in dem Buch wohlgefühlt, trotz der menschlichen Dramen, die dort beschrieben werden. Weil das Buch Wärme ausstrahlt, und diese Wärme ist besonders zu finden in den Szenen mit Kimmo und seiner Tochter, die für Kimmo und damit auch für mich das reine Glück waren, abseits all des Elends, das es trotzdem gibt. Ein Glück, das Kimmo in dem Lachen seiner Tochter findet. Ein Krimi, und doch kein Krimi. Ein Drama, eine Tragödie, eine überaus menschliche Geschichte.

Und zum Schluss noch ein Geheimtipp für alle, die bis hier gelesen haben: Für das Frühjahr 2018 haben wir Jan Costin Wagner wieder zu einer Lesung eingeladen. Sie findet im Remisenbau von Schloss Philippsruhe statt, in der Galerie des Hanauer Kulturvereins. Alles Nähere demnächst hier auf unseren Seiten =)

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