hr-iNFO Büchercheck: Sommerkind von Monika Held


Sommerkind Cover

Monika Held war jahrelang Reporterin bei der „Brigitte“ und hat die ganze Welt bereist. In ihren Romanen geht sie eigenwilligen Menschen und schwierigen Schicksalen nach. Ihre Fähigkeit, sich in komplizierte Charaktere einzufühlen und diese sensibel zu beschreiben, ist beeindruckend. Auch in „Sommerkind“ beweist sie das. hr-iNFO-Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht Malu, ein Sommerkind. So werden Kinder genannt, die im Sommer fast ertrinken und durch den erlittenen Sauerstoffmangel im Koma liegen. Malu ist neun Jahre alt, als sie im Schwimmbad fast ertrinkt, während ihr 16-jähriger Bruder Kolja mit einem Mädchen, das er sehr mag, auf einer Bank sitzt. Malu kommt in eine Spezialklinik, überlebt, und wird ihr ganzes Leben im Koma verbringen. Die Ehe der Eltern zerbricht an dem schrecklichen Ereignis, die Mutter wird depressiv. Und Kolja wird sich sein Leben lang verantwortlich fühlen für den Unfall.
Hier gibt es neben Kolja noch eine zweite Protagonistin, Ragna nämlich, die Ich-Erzählerin, die damals neben dem Jungen auf der Bank saß und Malu im letzten Augenblick das Leben gerettet hat. Ragna kann sich nicht mehr an den Unfall erinnern. Kolja soll ihr helfen, das Vergessene
wieder zu finden.

Wie ist es geschrieben?
Monika Held verbindet sehr unterschiedliche Themen miteinander: Eine Frau, die auf der Suche ist nach ihrer Erinnerung. Dazu kommt Koljas Lebensgeschichte und sein Trauma, schuldig zu sein am Unfall seiner Schwester. Und schließlich Koljas Erlebnisse in einer Klinik für Komakinder.
Überall spielt auch die Erinnerung eine Rolle. Zusammengebunden werden diese Motive durch eine ruhige, melodische Sprache. Monika Held findet immer wieder einen leisen, eindringlichen Ton. Für die dramatischen Ereignissen und heftigen Emotionen, aber auch für die eher abstrakten Beschreibungen von Gedächtnis und Erinnerung. Sie verwandelt das Leben ihrer Protagonisten in erzählte Bilder, die sich in der Phantasie des Lesers zurückverwandeln in Leben.

„Ich habe mit zehn Jahren einen Fotoapparat bekommen. Nach den ersten Bildern war ich süchtig nach Motiven. Bei allem, was mir vor die Linse kam, dachte ich: meins. Der Baum: gehört mir. Die Taube: gehört mir. Die Hunde, Katzen, alle Menschen, die ich mit meiner ersten Kamera festhielt, jeder Fisch an der Angel wurde mein Eigentum. Ich war ein Dieb, ich stahl mit den Augen.“

Wie gefällt es?
„Sommerkind“ es ist trotz seiner schwierigen Themen ein wohltuendes Buch. Ein Roman, der feinsinnig und klug von schweren Schicksalen erzählt, das aber auf eine so sensible Weise, das wir sozusagen getröstet werden. Abgesehen davon, dass er sehr viele schöne Szenen enthält,
sinnliche Schilderungen von Natur, Meer und Landschaft oder sehr innige Szenen aus der Kinderklinik. Man spürt, wie viel Respekt Monika Held vor ihren Figuren hat und wie viel Zuneigung für sie. Ein Roman, der Mut macht und Hoffnung, und der uns staunen lässt über die Leistungen unseres Gehirns und unseres Gedächtnisses. Denn nur die Erinnerung macht es uns möglich, wir selbst zu sein.

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