hr-iNFO-Büchercheck: Kerkerkind von Katja Bohnet


Katja Bohnet

„Kerkerkind“ von Katja Bohnet spielt im Berlin zur Zeit einer Hitzewelle. Im Wannseeforst ist die Leiche einer schwangeren Frau gefunden worden. Einer Türkin, die mit einem Deutschen verheiratet war. Und das ist erst der Anfang einer grausamen Mordserie. hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Krimi gelesen.

Worum geht es?
Sevim Winter heißt die tote Frau, die schwer verletzt, aber noch lebend, mit ihrem ungeborenen Kind verbrannt wurde. Martin Winter, der Ehemann, wird verdächtigt, weil er kein Alibi hat und dazu noch Kontakte zu einer rechtsnationalen Gruppierung namens Vaterland. Doch Hauptkommissar Viktor Saizew, gerade erst nach einer Hirntumoroperation genesen, und seine hochschwangere Kollegin Rosa Lopez vom Landeskriminalamt, können ihm nichts nachweisen. Nur Stunden nach seinem Verhör ist auch Martin Winter tot – der Kopf abgeschlagen und öffentlich ausgestellt auf den Briefkästen vor seiner Wohnung.

Wie ist es geschrieben?
Auch wenn es sich so anhören mag, „Kerkerkind“ von Katja Bohnet ist kein blutrünstiger Serienkiller-Krimi. Im Gegenteil, Bohnet zeigt viel Einfühlungsvermögen für ihr Personal, schildert intensiv Familienkonstellationen und -schicksale. Eine klare Sprache und präzise Dialoge treiben die Handlung voran, die am Ende eine fast unendliche Geschichte von Missbrauch und Rache ist. Und selbst die privaten Hintergründe der beiden Kommissare, bei vielen Krimis oft kitschig oder unangemessen in der Sprache, fügen sich hier stimmig ein.

„Was wissen wir nicht?“, fragte er. Lopez setzte sich, als wöge seine Frage schwer. „Eines wird mir jetzt klar.“ Viktor sah sie fragend an. „Einen Kopf abzuhacken, das ist aufwendig.“ „Nicht, wenn du ein Fleischer bist“, erwiderte Viktor ernst. „Jetzt mal davon abgesehen“, tat Lopez seinen Einwand ab, „das hat etwas von einem Ritual. Signalwirkung. Als wolle der Mörder damit etwas aussagen.“ „Auf mich wirkt es psychisch gestört.“ Lopez nickte. „Genau. Aber jemanden zu verbrennen, das ist berechnender.“ „Verstehe ich nicht“, erwiderte Viktor nachdrücklich. „Jemanden zu köpfen“ – Lopez schwieg, überlegte für einen Moment -, „das ist persönlich und direkt“, fuhr sie fort. „Beide Tötungen wirken wie ein Signal, aber ein Streichholz zu werfen ist ein distanzierter Akt.“

Wie gefällt es?
Katja Bohnet ist für mich eine neue deutsche Krimi-Stimme, die mich von der ersten Seite an begeistert hat. Bohnet schafft es, ihre Charaktere genau zu zeichnen, manchmal nur mit ein paar Sätzen. Beeindruckt hat mich der Wechsel zwischen den temporeichen, actiongeladenen Szenen und den oft sehr intensiven Betrachtungen der Ermittler. „Kerkerkind“ von der im hessischen Hadamar lebenden Autorin Katja Bohnet ist ein Erlebnis, ein Ritt durch eine spannende, vielschichtige Geschichte. Unbedingt lesen – und ich warte schon auf den dritten Krimi mit diesem ungewöhnlichen Ermittler-Duo.

hr-iNFO

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