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THALIA IST DA, WIR MACHEN WEITER - MACHEN SIE MIT!

Liebe Kunden, Partner und Freunde des Buchladens am Freiheitsplatz,

haben Sie ein paar Minuten Zeit für uns?

Sie kennen uns schon lange, als serviceorientierte und angenehme Einkaufsquelle für Ihre Bücher, als kooperativen Geschäftspartner oder einfach als netten Treffpunkt am Rande der Innenstadt. Der Buchladen am Freiheitsplatz hat in den letzten Jahrzehnten eine stetige Aufwärtsentwicklung erleben dürfen und sich im Hanauer Buchmarkt etabliert. Dies ist gut so und freut uns sehr. Wir sind froh, mit hoher Identität und großer Freude arbeiten zu können, mit einer bislang einigermaßen sicheren Perspektive.

Leider wird diese Situation in naher Zukunft auf eine schwere Probe gestellt werden, denn es steht eine grundlegende Veränderung in der Hanauer Buchhandelslandschaft an: Im Frühjahr 2008 wird eine großflächige Filiale der Buchhandelskette Thalia in Hanau eröffnet. Mit dieser Filiale wird die Buchhandelsfläche in Hanau auf einen Schlag mehr als verdoppelt. Es ist kaum anzunehmen, dass in Hanau plötzlich der doppelte Umsatz an Büchern zu erzielen ist. Auch wenn eine Großbuchhandlung mit externen Anbietern konkurriert, wie Hugendubel im Hessen-Center, muss man davon ausgehen, dass die bestehenden Hanauer Buchhandlungen mehr oder weniger große Umsatzeinbrüche erleben werden. Da die Gewinnmargen im Buchhandel im allgemeinen recht niedrig sind, kann das für eine Standortbuchhandlung schnell das Aus bedeuten.

Die Konzerne wachsen

Die Neueröffnung der Hanauer Thalia-Filiale reiht sich ein in einen Verdrängungswettbewerb der zwei führenden Buchhandelsunternehmen. Auf der einen Seite ist dort der Großkonzern Thalia. Dieses Unternehmen ist vor einigen Jahren aus dem Zusammenschluss des gleichnamigen Hamburger Familienunternehmens und der Kette Montanus entstanden und erwirtschaftet heute ca. 600 Mio. Euro Umsatz. Thalia gehört zur Douglas-Holding, ebenso wie die Douglas Drogerien, Hussel Süßwaren sowie das einstige Hanauer Unternehmen Uhren Christ. In den letzten zwei Jahren wurden von Thalia die kompletten Buchketten Gondrom, Grüttefien und Buch + Kunst geschluckt, sowie verschiedene einzelne Großunternehmen des Buchhandels wie das Buchhaus Campe in Nürnberg oder die wissenschaftliche Versandbuchhandlung Dr. Claus Steiner.

Elefantenrennen

Thalia liefert sich ein Elefantenrennen mit dem anderen, in der Öffentlichkeit eher unbekannten Buchhandelskonzern DBH. DBH ist entstanden aus der Fusion der Buchfilialisten Weltbild, Hugendubel, Buch-Habel und Weiland. Dazu gehören noch die Billig-Buchanbieter Jokers und Wohltatsche. Diese einzelnen Ketten treten unabhängig voneinander auf, so dass dem Kunden gar nicht auffällt, dass es sich hier um ein einziges Großunternehmen handelt. Dieser Zusammenschluss hat 2006 mit 675 Mio. Euro Jahresumsatz und 464 Filialen den größten Buchhandelskonzern entstehen lassen. Das "Handelsblatt" kommentierte:

"Sicher, es ist traurig, dass künftig in deutschen Innenstädten überall mehr oder weniger die gleichen Buchhandelsketten zu finden sind. Doch auch für das Kulturgut Buch gilt: Die Kunden stimmen mit dem Geldbeutel ab. So wie sie allerorten in die immer gleichen H&M-Filialen strömen, so drängen sie auch in die großen Buchhandlungen. Noch mehr als heute werden die kleinen Quartierbuchhändler künftig ums Überleben kämpfen müssen."

Die beiden großen Ketten DBH und Thalia expandieren permanent und stehen in einem Wettbewerb gegeneinander, der immer mehr zu Lasten des unabhängigen Buchhandels geht. Immer mehr Buchhandlungen schlüpfen entweder schon vor dem Zuzug eines Filialisten unters Konzerndach, verkaufen oder müssen schließen. Auf diese Weise wird der inhabergeführte Buchhandel mehr und mehr dezimiert und a la longue aus den Innenstädten verschwinden. Durch die Buchpreisbindung wird momentan noch ein Preiswettbewerb verhindert. Sie ist allerdings in Gefahr, wenn ihr Ziel - die flächendeckende Versorgung mit Büchern im ganzen Land - durch das Sterben unabhängiger Buchhandlungen nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

Auch die Verlage sind betroffen

Diese Entwicklung ist nicht nur für die betroffenen Buchhändler bitter, sondern führt auf lange Sicht zu einer Uniformierung des Literaturangebots. Denn bei den Ketten wird das Programm nicht, wie in kleineren Buchhandlungen üblich, von den inhaltlichen Ambitionen der BuchhändlerInnen bestimmt, sondern von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Zentrale Einkäufer bestimmen, welche Titel vorrangig zu präsentieren sind. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den Verlagen, die z.T. Zuschüsse dafür zahlen müssen, dass ihre Titel in den Buchhandlungen auf den frequentiertesten Plätzen liegen. Zudem lassen sich die Ketten Werbeaktionen bezuschussen, es wird sogar versucht, von den Verlagen Zuschüsse für Ladenumbauten oder die Gründung neuer Filialen zu bekommen. Verlage, die hier nicht mithalten können oder wollen, geraten in die Gefahr, in den Buchhandlungen schlecht platziert oder gar ausgelistet zu werden. Ohne Filial- und Internetbuchhandel ist allerdings heute kein Bestseller mehr zu machen. Durch die wachsende Einkaufsmacht der Ketten sind auch und gerade die kleineren und unabhängigen Verlage betroffen, die, wie die unabhängigen Buchhandlungen, wesentlich zur Vielfalt der Literatur in unserem Land beitragen.

Der Kunde entscheidet

Wir konnten bisher gut damit leben, wenn Kunden Ihre Bücher sowohl bei uns als auch bei anderen Quellen erworben haben, und so wird es auch weiterhin sein. Wir wissen, was unsere Stärken sind, nämlich persönliche Atmosphäre, kompetente Beratung und umfassender Service. In gewisser Weise freuen wir uns sogar darauf, diese Stärken in einem verschärften Wettbewerb auf die Probe zu stellen. Aber dennoch ist unsere neue Konkurrenz natürlich eine ernste Bedrohung. Denn nur, wenn wir unseren Umsatz halten, werden wir auch in Zukunft Ihr ganz persönlicher Buchladen am Freiheitsplatz bleiben können, mit dem gewohnten Service, der gewohnten Zuverlässigkeit, mit unserem ganz eigenen Buchangebot und der uns eigenen Atmosphäre. Wenn Sie all das schätzen, dann bleiben Sie uns bitte weiterhin verbunden.

Herzliche Grüße vom Freiheitsplatz

Dieter Dausien

Weitere Hintergründe zu Thalia finden Sie hier