Die Grenzen des Glücks von Anselm Oelze


Anselm Oelze

Die besten Bücher sind die, die Fragen aufwerfen, ohne sie gleich beantworten können. Und man als LeserIn auch nicht. Bücher, die keine Lösungen anbieten, sondern auf das hinweisen, für das es noch keine Lösung gibt. Ein solches Buch ist die literarische Reportage Die Grenzen des Glücks von Anselm Oelze, das soeben im Frankfurter Schöffling Verlag erschienen ist. Der Autor berichtet von einer Reise nach Lesbos im Herbst 2020, kurz  nach dem Brand . . .

. . . von Moria und der Errichtung des neuen Flüchtlingslagers Kara Tepe in unmittelbarer Nachbarschaft. Kaum möchte man die gelungene Ästhetik dieses Büchleins hervorheben oder den wunderschönen literarischen Stil der Erzählweise – denn der Inhalt berichtet von existenzieller Tragik. Von Menschen, die in diesem Augenblick, in dem Sie diese Buchvorstellunge lesen, in einem Lager leben müssen, in dem oft eine Mahlzeit am Tage reichen muss, in dem die sanitäre und die medizinische Versorgung erbärmlich sind und man sich freuen muss, wenn man in seinem Zelt auf Holzbohlen schlafen darf statt auf dem nackten Boden. Aber der Autor klagt nicht nur an, sondern er reflektiert auch seine eigene Rolle, die Zwangsläufigkeit, mit der der Zufall dem Einen einen Platz in der komfortablen europäischen Gesellschaft zugewiesen hat und dem Anderen den Platz im Lager. Absolut lesenswert, auch wenn man das Buch mit Tränen in den Augen schließen mag.

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